Training mit Widerstand gehört zu den effektivsten Methoden für gesunde Schultern. Wenn Muskeln und Bindegewebe richtig belastet werden, passt sich der Körper an: Muskeln werden stärker, Sehnen belastbarer und Gelenke besser unterstützt.
Gesunde Schultern brauchen wir für fast alles im Alltag – vom Einkäufe-Tragen über das Greifen nach Dingen über Kopf bis hin zu intensivem Training im Gym.
Trotzdem ist die Schulter, ein komplexes Kugelgelenk, eines der am häufigsten verletzten Gelenke überhaupt. Kein Wunder, wenn man ihre enorme Beweglichkeit bedenkt. Hinzu kommt der moderne Lebensstil, der oft mit Bewegungsmangel und einer schlechten Haltung einhergeht.
Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Mix aus Training, Mobilität und einfachen Alltagsgewohnheiten lässt sich die Schultergesundheit deutlich verbessern.
Exercise
Training mit Widerstand
Richtig ausgeführt und ausgewogen geplant, nutzt Krafttraining die Schultern nicht ab. Im Gegenteil: Es schützt sie.
Besonders wertvoll sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und funktionelles Krafttraining.
Oberkörperübungen wie Pushups, Pullups, Rows und Overhead Presses führen die Schulter durch ihren natürlichen Bewegungsradius und fordern gleichzeitig Koordination und Kontrolle.1

Mehr Kraft, bessere Stabilität und ein größerer Bewegungsumfang
Im Gegensatz zu Geräten, die dich in eine feste Bewegungsbahn zwingen, müssen deine Schultern bei freien Gewichten und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht dynamisch stabilisieren. Das bedeutet: Die kleineren, stabilisierenden Muskeln arbeiten gemeinsam mit den größeren Muskelgruppen daran, das Gelenk zu kontrollieren.
Studien zeigen immer wieder, dass Gelenke, die von starken und gut koordinierten Muskeln unterstützt werden, widerstandsfähiger sind und ein geringeres Verletzungsrisiko haben.
Wer Übungen über den vollen Bewegungsumfang ausführt, trägt außerdem dazu bei, die Beweglichkeit zu erhalten oder sogar zu verbessern.
Zum Beispiel bringen Drückübungen über Kopf oder das Hängen an der Stange bei Pullups die Schulter in genau die Positionen, für die sie gemacht ist. Und bauen dabei gleichzeitig Kraft und Beweglichkeit auf.
Welche Muskeln gehören zur Schulter?
Um die Gesundheit der Schulter wirklich zu verstehen, hilft es zu wissen, welche Muskeln sie umfasst. Und welche Aufgaben sie übernehmen.
Hauptakteure
Die Hauptakteure sind die Muskeln, die Kraft erzeugen und Bewegung möglich machen:
- Deltamuskeln (Schultern) Heben den Arm in verschiedene Richtungen und spielen eine zentrale Rolle bei Drück- und Hebebewegungen.
- Pectoralis (Brustmuskulatur) Treibt Drückbewegungen wie Pushups und Dips an.
- Latissimus dorsi (Rücken) Sorgt für kraftvolle Zugbewegungen und hilft dabei, die Arme bei Überkopfpositionen kontrolliert zu halten.
Diese Muskeln werden in den meisten Trainingsplänen ohnehin stark beansprucht, vor allem in Programmen, die auf Optik oder viele Drückübungen abzielen.
Stabilisatoren
Die Stabilisatoren sind kleiner, aber extrem wichtig:
- Rotatorenmanschette: Eine Gruppe aus vier Muskeln, die den Oberarmkopf während der Bewegung zentriert in der Schulterpfanne halten.
Ist die Rotatorenmanschette schwach oder schlecht trainiert, kann das zu Instabilität, Schmerzen und Leistungseinbußen führen. Auch wenn sie bei komplexen Übungen oft indirekt mittrainiert wird, profitiert sie zusätzlich von gezielten, kontrollierten Übungen.
Warum Warmups so wichtig sind
Für gesunde Schultern ist ein gutes Warmup unerlässlich. Es regt die Durchblutung an, verbessert die Elastizität des Gewebes und bereitet das Nervensystem auf koordinierte Bewegungen vor. Aus wissenschaftlicher Sicht senkt das das Verletzungsrisiko und steigert die Performance.
Und ein effektives Schulter-Warmup muss nicht lange dauern. Wichtiger sind gezielte Bewegungen.
Geeignete Aufwärmübungen sind zum Beispiel:
- Armkreisen: Arme gestreckt anheben. Langsam und kontrolliert vor- und rückwärts kreisen. Das „schmiert“ das Schultergelenk und tastet sanft den Bewegungsumfang ab.
- Scapular Pushups: Fördern die saubere Bewegung der Schulterblätter auf dem Brustkorb. Das ist entscheidend für gesunde Schultern.
- Scapular Pullups und Rows: Der Fokus liegt darauf, die Schulterblätter nach unten und hinten zu ziehen. Das aktiviert wichtige stabilisierende Muskeln im oberen Rücken.
Mobilität und Flexibilität
Kraft allein ist nicht genug. Mobilität und Flexibilität sorgen dafür, dass sich die Schulter frei und effizient bewegen kann. Ist die Beweglichkeit in einem Bereich eingeschränkt, muss der Körper ausgleichen, und das erhöht die Belastung auf Gelenke und weiches Gewebe in anderen Bereichen.
Schultermobilitäts-Übungen sollten den Fokus darauf legen:
- Das Schultergelenk selbst: Bewegungen wie Shoulder Pass-Throughs helfen dabei, die allgemeine Beweglichkeit des Gelenks und die Kontrolle zu verbessern.
- Den oberen Rücken (Brustwirbelsäule): Übungen wie Child’s Pose, Cat-Cow, Thread the Needle und Camel Hold fördern die Streckung und Rotation in der Brustwirbelsäule – beides wichtige Faktoren für eine gesunde Schultermechanik.
- Umliegende Muskulatur wie Brust und Latissimus: Dehnübungen oder eine selbst durchgeführte Faszienmassage der Brustmuskulatur (Pectoralis major und minor) und des Latissimus dorsi helfen, Muskelverspannungen zu reduzieren und die Gewebequalität zu verbessern. Tools wie Faszienrollen oder Massagebälle können hier besonders effektiv sein.
Kurze, regelmäßige Mobility-Sessions sind deutlich effektiver als gelegentliche lange Sessions. Schon 5–10 Minuten nach dem Training oder vor dem Schlafengehen können einen spürbaren Unterschied machen und deine Beweglichkeit mit der Zeit verbessern. Wichtig dabei: Starte langsam und arbeite niemals in Schmerzen hinein.

Lebensstil
Wenn Bewegung im Alltag fehlt
Schulterprobleme treten immer häufiger auf, weil Bewegung im Alltag immer häufiger zu kurz kommt. Viele Menschen verbringen Stunden im Sitzen, tippen auf Tastaturen und schauen auf Bildschirme – während die Arme kaum noch durch Drück-, Zug- oder Bewegungen über Kopf geführt werden.
Früher kletterten Menschen regelmäßig, trugen Lasten, warfen Dinge oder hoben Objekte über den Kopf. Heute beschränken sich diese Bewegungen oft auf kurze Trainingseinheiten im Fitnessstudio, wenn überhaupt.
Sitzzeiten unterbrechen
Langes Sitzen ohne Bewegung der Arme kann zu steifen Gelenken, verkürzten Muskeln und einer schlechten Haltung führen. Sitzzeiten zu unterbrechen ist eine der einfachsten und gleichzeitig effektivsten Maßnahmen für gesunde Schultern.
Hier ein paar einfache Gewohnheiten, die du problemlos in deinen Alltag einbauen kannst, egal ob zwischen Meetings oder unterwegs:
- Stehe alle 30–60 Minuten auf.
- Kreise ein paar Mal die Arme oder rolle die Schultern (mit den Handflächen nach innen).
- Hänge dich 20–30 Sekunden mit ausgestreckten Armen an eine Stange, falls vorhanden.
Diese kleinen Bewegungs-„Snacks“ halten die Durchblutung in Gang und helfen dabei, deine Gelenke gesund zu halten.
5-Minuten-Stretch-Routine fürs Büro und unterwegs
Egal ob am Schreibtisch oder auf Reisen: Eine kurze Stretch-Routine, regelmäßig eingebaut, kann stundenlanges Sitzen erstaunlich gut ausgleichen. Eine simple 5-Minuten-Abfolge könnte so aussehen:
- Brust öffnen und dehnen
- Overhead Reaches und tief atmen
- Sanfte Neck Rolls und Mobilisation des oberen Rückens
- Shoulder Stretches über Kreuz
- Armkreisen mit Fokus auf Innen- und Außenrotation
Konsequent durchgeführt, kann diese Mini-Routine Steifheit und unangenehme Spannungsgefühle deutlich reduzieren.

Worauf du achten solltest
Muskuläre Dysbalancen
Muskuläre Dysbalancen sind einer der häufigsten Gründe für Schulterprobleme. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Nacken-Schulter-Arm-Syndrom. Typisch dafür sind nach vorne gezogene Schultern, verspannte Brustmuskeln und ein zu schwacher oberer Rücken. Diese Haltung verändert, wie das Schultergelenk belastet wird, und erhöht damit das Verletzungsrisiko deutlich.
Push-/Pull-Balance
Viele Menschen setzen im Training vor allem auf Drückübungen, die man im Spiegel gut sieht – wie Pushups und Bench Presses – und vernachlässigen dabei Zugbewegungen. Aus wissenschaftlicher und biomechanischer Sicht ist das der sichere Weg zu Schulterproblemen.
Eine einfache Faustregel: Das Volumen an Zugübungen sollte mindestens genauso hoch sein wie das an Drückübungen, besser sogar leicht darüber liegen. Übungen wie Rows, Pullups und Scapular Pulls sind entscheidend, um langfristig für Balance zu sorgen.
Verkürzte oder verspannte Muskulatur
Muskeln, die über lange Zeit in verkürzten Positionen verbleiben, etwa die Brustmuskulatur oder die vorderen Schultermuskeln, können die Beweglichkeit der Schulter einschränken und die Gelenkmechanik ungünstig verändern. Regelmäßige Dehn- und Mobilitätsübungen helfen dabei, die normale Muskellänge und Funktion wiederherzustellen.
Muskelschwäche
Eine schwache Muskulatur, vor allem in der Rotatorenmanschette und im oberen Rücken, verringert die Gelenkstabilität. Das kann dazu führen, dass der Körper beim Training oder im Alltag ausweicht und kompensiert. Kontrolliertes Krafttraining und eine schrittweise Steigerung sind hier entscheidend.2
Unsaubere Technik
Die beste Übung bringt dir nichts, wenn sie falsch ausgeführt wird. Zu viel Gewicht, hektische Wiederholungen oder das Ignorieren von Warnsignalen des Körpers setzen die Schulter unnötig unter Stress. Der Fokus sollte immer auf einer sauberen Ausführung und langsamer, sinnvoller Progression liegen.
Frühere Verletzungen
Frühere Schulterverletzungen erhöhen das Risiko für erneute Probleme. Vor allem dann, wenn sie nie richtig behandelt wurden. Zurückbleiben können Schwächen, Steifheit oder veränderte Bewegungsmuster.
Wenn du bereits Schulterprobleme hattest, ist ein vorsichtigerer und klar strukturierter Ansatz wichtig – idealerweise begleitet von einem erfahrenen Trainer oder Physiotherapeuten.

Noch mal in Kürze
Schultergesundheit bedeutet nicht, Bewegung zu vermeiden oder weniger zu trainieren. Es geht darum, smarter zu trainieren und sich im Alltag mehr zu bewegen. Starke, belastbare Schultern entstehen durch die Kombination aus Krafttraining, Mobilitätsübungen und regelmäßiger Bewegung.
Der Schlüssel zum Erfolg? Beständigkeit. Kleine, regelmäßig umgesetzte Maßnahmen – ein gutes Warmup, saubere Technik oder ein 5-Minuten-Stretch während der Arbeit – zahlen sich über die Zeit aus.
Fang heute an, diese Prinzipien umzusetzen. Deine Schultern werden es dir morgen und noch Jahre später danken.
Literatur
[1] Reinold, M. M., Escamilla, R. F., & Wilk, K. E. (2009).
[2] Page, P., Frank, C. C., & Lardner, R. (2010).