Hunger und Sättigung: So funktioniert unsere Verdauung

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Unser Hungergefühl wirft oft Rätsel auf. Manchmal haben wir einen Bärenhunger, manchmal überhaupt keinen. Nach manch einem Workout könnten wir futtern wie ein Scheunendrescher, nach anderen Workouts ist uns einfach nur schlecht. Wahrscheinlich hast du dir über deinen Verdauungstrakt bisher eher wenig Gedanken gemacht, doch genau dieser steuert dein Hungergefühl. Darüber hinaus ist er dafür zuständig, alle Lebensmittel und Nährstoffe, die du aufnimmst, effizient zu verarbeiten, sodass du beim Training Bestleistung erbringen kannst. Außerdem schützt er dich vor Krankheitserregern und ist somit äußerst wichtig für deine Gesundheit. So funktioniert deine Verdauung:

Zeit zu essen – Was passiert in den Stunden danach?

Erstens

Beim Essen werden die Lebensmittel in deinem Mund mechanisch, mit Hilfe von Zähnen und Speichel zerkleinert (auch bekannt als Kauen). Interessanter Fakt: Täglich produzieren wir 0,5–1,5 Liter Speichel! Das ist wirklich eine ganze Menge. Anschließend gelangt das zerkleinerte Essen durch rhythmische Muskelbewegungen der Speiseröhre durch diese in den Magen.

Zweitens

Im Magen übernimmt dann unser Magensaft, der einen pH-Wert von 2 hat, die Aufgabe, das Essen vorzuverdauen. Er enthält hauptsächlich Salzsäure, die zwei wichtige Funktionen erfüllt: Sie tötet Krankheitserreger ab, hält dich als Athleten somit gesund, und sie spaltet Proteine und Kohlenhydrate. Gleich erfährst du, warum dies bei der Verdauung eine wichtige Rolle spielt.

Drittens

Wenn das Essen den Magen verlässt, ist es bereits breiartig. Von dort gelangt es in den Zwölffingerdarm und kommt mit dem Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse, der hauptsächlich Verdauungsenzyme enthält, sowie mit dem Verdauungssaft der Gallenblase in Kontakt. Große Proteine und komplexe Kohlenhydrate sowie Fette können nicht durch die Zellmembran des Dünndarms transportiert werden (die nächste Station für den Speisebrei). Darum werden die Verdauungssäfte im Magen und die Enzyme in der Bauchspeicheldrüse benötigt, um diese zu spalten. Die Bauchspeicheldrüse produziert täglich ein Volumen an Enzymen (Proteine), das einer Menge von 5–15 Gramm entspricht – ganz schön bemerkenswert. Aber keine Sorge, einige der Enzyme (Proteine) werden erneut aufgenommen. Da bestimmte Fette nicht wasserlöslich sind, wird der Verdauungssaft der Gallenblase benötigt. Dieser fungiert zudem als eine Art „Reinigungsmittel“, das Abfallprodukte aufnimmt, die der Dünndarm nicht weiter zersetzen kann.

Der Transport

Die „Superstars“ des gesamten Verdauungsvorgangs im Dünndarm sind die so genannten Transporter. Viele Stoffe kommen nicht einfach so durch die Zellmembran des Dünndarms und haben daher spezielle Transporter. Transporter für Kohlenhydrate etwa sind im gesamten Dünndarm verteilt, d. h., dass fast die gesamte Glukose durch die Zellen des Dünndarms transportiert werden kann. Bei Proteinen ist das anders: Im Dünndarm gibt es für Proteine nicht so viele Transporter. Warum ist das so? Wissenschaftler haben untersucht, ob unser Körper in der Lage ist, einen stabilen Aminosäurespiegel (Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen) zu erreichen, wenn Protein flüssig etwa in Form von Protein-Shakes aufgenommen wird. Das Ergebnis: Wenn Proteine in flüssiger Form schnell durch den Dünndarm transportiert werden, kann im Blut kein stabiler Aminosäurespiegel erreicht werden. Das könnte bedeuten, dass der Körper das Protein in dieser Form nicht so gut aufnehmen kann, da zu wenige Transporter vorhanden sind. Daher empfiehlt es sich, Protein in fester Form zu sich zu nehmen – etwa in Form eines Proteinriegels.

Auch die Vitamine A, B, C, D, E und K werden im Dünndarm sowie im Dickdarm (Kolon) aufgenommen. Der Dickdarm ist die letzte Station im Verdauungsprozess. Hier werden hauptsächlich Wasser und Elektrolyte aufgenommen, bevor die verbleibenden Abfallprodukte ausgeschieden werden.

Nach dem Training

Kennst du das? Nach einem harten Workout kannst du erst einmal nichts essen? Das klingt hart, aber unser Körper ist darauf konditioniert, in Stresssituationen nur die Organe zu versorgen, die überlebenswichtig sind. Dazu gehören Herz, Lungen und Muskeln. Der Verdauungstrakt hingegen arbeitet nicht.

Wahrscheinlich kennst du auch das: Nach einer intensiven Trainingseinheit ist dir schlecht. Woran das liegt? Bei anaerobem Training sammeln sich große Mengen an Milchsäure im Blut an. Säure wird normalerweise über unseren Atem und unsere Nieren wieder ausgeschieden. In diesem Fall kann der hohe pH-Wert so jedoch nicht ausgeglichen werden, daher muss der Körper einen anderen Weg finden, die Säure auszuscheiden. Eine Möglichkeit hierfür ist unser Magensaft, und davon kann uns ziemlich schlecht werden. In manchen Fällen sogar so sehr, dass wir erbrechen müssen. Also keine Sorge, jetzt weißt du, dass du nicht die/der einzige bist.