Sport und Krankheiten: Wann Ausreden erlaubt sind

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Wahrscheinlich ist es euch schon bekannt oder ihr habt den Effekt selbst schon bemerkt: Regelmäßiges Training stärkt aus den verschiedensten Gründen das Immunsystem. Sportler sind wesentlich seltener von einer Erkältung oder anderen akuten Krankheiten betroffen. Doch ab und zu erwischt es auch den resistentesten Free Athlete: Die Sommergrippe, eine Erkältung oder die Magen-Darm-Erkrankung, die im Umfeld schon einige niedergerafft hat. Wenn dies der Fall sein sollte, ist absolute Trainingspause angesagt – auch wenn es nur ein leichter Schnupfen ist und ihr euch ansonsten fit fühlt!

High Intensitiy und das Open Window

Bei leichten und moderaten Sportarten kann die Weiterführung des Trainings positiv wirken. Nicht jedoch bei Freeletics! Hochintensives Training verlangt dem Körper einiges ab und beansprucht wichtige Kräfte des Immunsystems für die Regeneration. Das bedeutet, dass sich diese Kräfte in derselben Zeit nicht um die Bekämpfung von Krankheitserregern kümmern können und diese sich somit ungehindert ausbreiten können. Die Folge: Ihr seid nach einem Training kränker als zuvor! Dieser Effekt wird auch als „Open Window“ bezeichnet. Seht also zu, dass ihr dieses geschlossen haltet, indem ihr das Bett hütet – sonst kann sich der Schnupfen ganz leicht auf andere Bereiche des Körpers ausdehnen!

Während das Open Window einem gesunden Free Athlete nichts ausmacht, kann es bei bakteriellen und Virusinfektionen sogar lebensgefährlich werden. Werden zu viele Abwehrzellen für die Regenerationsprozesse abgezogen, können die Krankheitserreger in den Blutbahnen auf Wanderschaft gehen und im schlimmsten Fall bis zum Herzen vordringen. Erhöhte Kreislaufaktivität durch Training beschleunigt diesen Prozess sogar noch und die Folge könnte eine gefährliche Entzündung des Herzmuskels sein!

Wie lange muss pausiert werden?

Als Faustregel gilt: Bei leichten Erkrankungen wie einem Schnupfen oder einer Erkältung darf wieder trainiert werden, sobald die Symptome vollständig abgeklungen sind – nicht sobald ihr euch wieder gut fühlt, sondern wirklich erst, wenn keinerlei Restsymptome mehr auftreten.

Bei fiebrigen Erkrankungen oder Infekten, die die Einnahme von Antibiotika verlangen, erstreckt sich die Trainingspause nicht nur auf die akute Phase. Das Risiko eines bakteriellen oder viralen Befalls des Herzmuskels ist selbst dann noch erhöht, wenn ihr euch subjektiv gesehen schon längst wieder fit fühlt und keine Symptome mehr bemerkt! Meist dauert die Erkrankung nämlich länger, ohne dass der Betroffene es spürt – besonders wenn symptomlindernde Medikamente eingenommen wurden. Das Immunsystem befindet sich jedoch weiterhin in einem geschwächten Zustand. Gebt ihm Zeit, sich vollständig zu regenerieren.

Das gilt insbesondere für die Einnahme von Antibiotika, da diese nicht zwischen schädlichen und nützlichen Bakterien unterscheiden und den Körper zusätzlich schwächen. Die Faustregel lautet, mindestens den gleichen Zeitraum abzuwarten, über die das Medikament eingenommen wurde. Bei einem Einnahmezeitraum von sechs Tagen beispielsweise, heißt es wenigstens sechs weitere Tage abwarten, bis wieder trainiert werden darf – zwei weitere zusätzlich können allerdings auch nicht schaden. Die körpereigene Abwehr braucht nicht nur Zeit, um sich von dem Infekt selbst, sondern auch von der Wirkung des Medikaments zu erholen.

Ähnliches gilt bei Fieber. Eine Erhöhung der Körpertemperatur ist ein sehr extremes Mittel des Abwehrsystems. Normaltemperatur bedeutet daher nicht, dass es seine Arbeit eingestellt hat, sondern nur, dass das Schlimmste vorüber ist. Der Kampf gegen die Erreger läuft aber weiter auf Hochtouren, weshalb als Faustregel mindestens noch eine Woche bis nach dem letzten fiebrigen Tag pausiert werden sollte.

Die oberste Regel lautet jedoch immer noch zunächst euren Arzt darüber zu konsultieren, wie lange ihr pausieren sollt. Nur er kann individuell feststellen, welcher Zeitraum für euch angemessen ist.

Die gute Nachricht: Auf Dauer seid ihr gesünder!

So gefährlich Training für den kranken Free Athlete sein kann, umso förderlicher ist es für den Gesunden! Schon lange ist Sport als beste Prophylaxe gegen Krankheiten – seien es chronische oder akute – bekannt. Hochintensives Training stimuliert Immunsystem, Zellwachstum, Durchblutung und unterstützt den Körper im Umgang mit dem Stresshormon Cortisol. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor, denn Stress ist mit eine der häufigsten Krankheitsursachen!

Für die, die die Füße gar nicht still halten und die Fristen nicht abwarten können, sei gesagt, dass der Körper im geschwächten Zustand sowieso kaum auf Trainingsreize reagiert. Nehmt euch also ruhigen Gewissens die Zeit, steigert das Pensum und die Intensität danach wieder langsam und moderat und nach ein paar Tagen Eingewöhnung könnt ihr wieder mit voller Kraft durchstarten!

Nutzt die Ruhezeit, um euch mental auf die Wiederaufnahme eures Trainings vorzubereiten. Was könnt ihr besser machen? Wo sind eure Stärken und Schwächen? Informiert euch auch über Aufbau und Arbeitsweise eures Körpers um noch effektiver trainieren zu können.

Wer mehr über das Thema Infekte und Training erfahren möchte, kann sich hier und hier weiter einlesen.